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Kontokorrentkredit für Selbstständige: Kreditrahmen, Zinsen und Alternativen mit Rechenbeispiel

Der Kontokorrentkredit überbrückt kurzfristige Liquiditätsengpässe auf dem Geschäftskonto, kann aber teuer werden. Erfahren Sie, wie Banken den Kreditrahmen festlegen, welche Zinsen und Überziehungszinsen anfallen, wann sich günstigere Alternativen lohnen und was Sie ein Rechenbeispiel konkret kostet.

Veröffentlicht am 23. Oktober 2026 · 7 Min. Lesezeit

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Ein Kontokorrentkredit ist ein Kreditrahmen auf dem Geschäftskonto, den Sie bis zur vereinbarten Grenze jederzeit nutzen und wieder zurückführen können. Zinsen zahlen Sie nur auf den tatsächlich beanspruchten Betrag und nur für die Tage im Minus. Gemessen an anderen Firmenkrediten ist der Zinssatz allerdings hoch, und für Beträge über dem Rahmen wird es noch teurer.

Für Selbstständige eignet sich der Kontokorrentkredit für kurze Lücken, etwa wenn eine Kundenzahlung zwei Wochen später kommt als die Miete. Als Dauerfinanzierung ist er meist die teuerste Lösung. Dieser Artikel zeigt Ihnen, nach welchen Kriterien Banken den Rahmen festlegen, welche Kostenbestandteile im Vertrag stehen und wann ein anderes Instrument günstiger ist. Ein durchgerechnetes Beispiel finden Sie weiter unten.

Worauf es beim Kontokorrentkredit für Selbstständige ankommt

Bevor Sie Konditionen vergleichen, sollten Sie wissen, wofür Sie den Rahmen brauchen. Entscheidend ist die Dauer der Nutzung. Liegt das Konto nur wenige Tage im Monat im Minus, fallen die hohen Zinsen kaum ins Gewicht. Steht es dagegen dauerhaft im Soll, zahlen Sie für eine Finanzierung, die ein Darlehen mit festem Zins billiger erledigen würde.

Für Ihre Entscheidung zählen vor allem diese Punkte:

Wie oft und wie lange das Konto voraussichtlich im Minus steht

Ob der Engpass saisonal ist, etwa bei Handwerk oder Gastronomie, oder durch lange Zahlungsziele der Kunden entsteht

Wie hoch der Sollzins im Rahmen und der Zins für die Überschreitung ausfallen

Ob die Bank eine Bereitstellungsprovision für den ungenutzten Teil verlangt

Welche Sicherheiten die Bank fordert und ob sie den Rahmen jederzeit kündigen kann

Den letzten Punkt unterschätzen viele Gründer. Ein Kontokorrentkredit wird in der Regel ohne feste Laufzeit vereinbart. Nach den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Banken kann die Bank einen solchen Kredit kündigen, wenn sie dabei auf Ihre berechtigten Belange Rücksicht nimmt. Auf einen Rahmen, der morgen wegfallen kann, sollte deshalb keine fest eingeplante Ausgabe angewiesen sein.

Den Kreditrahmen legt die Bank nach Kontoumsatz, Bonität und Sicherheiten fest

Eine gesetzliche Formel für die Höhe des Rahmens gibt es nicht. Jede Bank bewertet nach eigenen Kriterien, und die Ergebnisse unterscheiden sich spürbar. Fast immer schaut sie auf die Umsätze, die bereits über das Konto laufen. Wer seit Jahren regelmäßige Zahlungseingänge vorweisen kann, bekommt leichter einen Rahmen als jemand, der das Konto gerade erst eröffnet hat.

Daneben prüft die Bank Ihre wirtschaftlichen Unterlagen, also Jahresabschluss oder Einnahmenüberschussrechnung, eine aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertung und häufig eine Auskunft bei der Schufa oder einer Wirtschaftsauskunftei. Einzelunternehmer haften persönlich, deshalb fließt bei ihnen auch die private Bonität ein. Bei einer GmbH verlangen Banken oft eine persönliche Bürgschaft der Gesellschafter.

Neugründer stehen hier vor einem typischen Problem. Ohne Geschäftszahlen fehlt der Bank die Grundlage, und viele Institute lehnen einen Rahmen im ersten Jahr ab oder gewähren nur einen kleinen Betrag. Bessere Chancen haben Sie, wenn Sie:

1.das Geschäftskonto bei der Bank führen, bei der Sie den Rahmen beantragen

2.einen Businessplan mit Liquiditätsplanung vorlegen, der zeigt, wann und warum das Konto ins Minus geht

3.Sicherheiten anbieten können, etwa ein verpfändetes Sparguthaben oder eine Bürgschaft

4.bereits erste Monatsabschlüsse mit Umsätzen vorweisen

Den Rahmen können Sie später erhöhen lassen, wenn die Umsätze wachsen. Banken prüfen das in der Regel nach Vorlage des nächsten Jahresabschlusses.

Sollzins, Überziehungszins und Bereitstellungsprovision im Vergleich

Im Kreditvertrag stehen meist mehrere Kostenbestandteile, die Sie getrennt betrachten müssen. Der Sollzins gilt für den Betrag innerhalb des vereinbarten Rahmens. Gehen Sie über die Grenze hinaus, berechnet die Bank für den übersteigenden Teil einen höheren Zins, oft als Überziehungszins oder Zins für geduldete Überziehung bezeichnet. Für Geschäftskunden gelten dabei weniger Schutzvorschriften als für Verbraucher, die Bank hat also mehr Spielraum bei der Preisgestaltung.

Die Zinssätze ändern sich mit dem allgemeinen Zinsniveau und unterscheiden sich stark zwischen Banken und Kunden. Durchschnittswerte für Kredite an Unternehmen veröffentlicht die Deutsche Bundesbank in ihrer Statistik zu Zinssätzen und Renditen. Ihr individuelles Angebot kann davon deutlich abweichen, abhängig von Bonität, Sicherheiten und Verhandlung.

KostenbestandteilWorauf er sich beziehtWas Sie im Vertrag prüfen
SollzinsGenutzter Betrag innerhalb des RahmensFester oder an einen Referenzzins gekoppelter Satz
ÜberziehungszinsBetrag über dem vereinbarten RahmenAufschlag gegenüber dem Sollzins
BereitstellungsprovisionUngenutzter Teil des RahmensOb sie überhaupt anfällt und in welcher Höhe
KontoführungsgebührGeschäftskonto insgesamtOb der Rahmen ein teureres Kontomodell voraussetzt
ZinsabrechnungZeitpunkt der BelastungÜblich ist der Quartalsabschluss

Stand der Übersicht: Januar 2026. Konkrete Prozentsätze nennt die Tabelle bewusst nicht, weil sie je nach Bank und Kunde stark schwanken.

Wann die Zinsen abgebucht werden, regeln die AGB der Banken: Bei einem Kontokorrentkonto erstellt die Bank, sofern nichts anderes vereinbart ist, zum Ende jedes Kalenderquartals einen Rechnungsabschluss. Die Zinsen für drei Monate erscheinen also gesammelt auf dem Kontoauszug. Das kann das Konto zum Quartalsende zusätzlich ins Minus drücken, was Sie in der Liquiditätsplanung berücksichtigen sollten.

Rechenbeispiel: Was 45 Tage im Minus eine Grafikdesignerin kosten

Eine selbstständige Grafikdesignerin hat einen Kontokorrentrahmen von 10.000 Euro. Für das Beispiel nehmen wir einen Sollzins von 11 Prozent und einen Überziehungszins von 16 Prozent pro Jahr an. Ihre Bank rechnet nach der Methode, bei der das Jahr mit 360 Tagen angesetzt wird. Welche Zählweise bei Ihnen gilt, steht im Vertrag.

Im ersten Monat steht ihr Konto 30 Tage lang mit 8.000 Euro im Minus, weil ein Großkunde verspätet zahlt. Danach kommt eine Steuervorauszahlung hinzu, und das Konto rutscht für 15 Tage auf minus 12.000 Euro. Die Rechnung sieht so aus:

1.Erste Phase: 8.000 Euro × 11 % × 30 / 360 = 73,33 Euro

2.Zweite Phase innerhalb des Rahmens: 10.000 Euro × 11 % × 15 / 360 = 45,83 Euro

3.Zweite Phase über dem Rahmen: 2.000 Euro × 16 % × 15 / 360 = 13,33 Euro

4.Summe für 45 Tage: 132,49 Euro

Für eine kurze Überbrückung ist dieser Betrag überschaubar. Anders sieht es aus, wenn das Konto dauerhaft im Minus steht. Nutzt die Designerin den vollen Rahmen von 10.000 Euro ein ganzes Jahr lang, zahlt sie bei 11 Prozent rund 1.100 Euro Zinsen. Ein Betriebsmittelkredit über denselben Betrag mit angenommenen 7 Prozent würde etwa 700 Euro kosten, wobei die Tilgung den Zinsbetrag über die Laufzeit noch senkt. Die Differenz von rund 400 Euro pro Jahr ist der Preis für die Flexibilität.

Die Zinsen sind als Betriebsausgabe abzugsfähig. Für die Gewerbesteuer werden Schuldzinsen zu einem Viertel hinzugerechnet, allerdings erst, wenn die Summe aller hinzuzurechnenden Beträge einen Freibetrag von 200.000 Euro übersteigt. Für die meisten kleinen Betriebe spielt diese Hinzurechnung daher keine Rolle.

Wann ein Betriebsmittelkredit, Förderkredit oder Factoring günstiger ist

Die Faustregel lautet: Je länger Geld gebraucht wird, desto eher lohnt ein Instrument mit fester Laufzeit. Der Kontokorrentkredit bleibt der Puffer für unvorhersehbare Tage. Was regelmäßig fehlt, finanzieren Sie günstiger anders.

SituationPassendes InstrumentBemerkung
Wenige Tage im Monat im MinusKontokorrentkreditFlexibel, Zinsen nur für die Nutzungstage
Dauerhaft fehlendes BetriebskapitalBetriebsmittelkredit mit fester LaufzeitMeist niedrigerer Zins, planbare Raten
Gründung oder junges Unternehmen mit KapitalbedarfFörderkredit der KfW über die HausbankAntrag vor Beginn des Vorhabens
Kunden zahlen regelmäßig mit langem ZahlungszielFactoringGebühren gegen sofortige Auszahlung der Forderung
Fehlende SicherheitenBürgschaft einer BürgschaftsbankErleichtert die Kreditzusage der Bank

Für Gründer und Unternehmen in den ersten Jahren nach der Gründung bietet die KfW den ERP-Gründerkredit StartGeld an, mit dem sich auch Betriebsmittel finanzieren lassen. Den Antrag stellen Sie über Ihre Hausbank, und zwar vor Beginn des Vorhabens. Wer den Kontokorrentrahmen bereits ausgeschöpft hat und erst dann einen Förderkredit sucht, kann ihn damit in der Regel nicht nachträglich ablösen lassen. Betrag, Laufzeiten und Bedingungen prüfen Sie vor dem Gespräch mit der Bank auf der Produktseite, da die KfW ihre Konditionen regelmäßig anpasst.

Fehlen Sicherheiten, helfen die Bürgschaftsbanken der Bundesländer. Sie übernehmen einen Teil des Ausfallrisikos, was die Hausbank häufig erst zu einer Zusage bewegt. Einen Überblick über die Institute in den einzelnen Ländern gibt der Verband Deutscher Bürgschaftsbanken. Für die Auswahl zwischen den Möglichkeiten lohnt ein Termin bei der Gründungsberatung Ihrer IHK oder Handwerkskammer, die auch beim Förderantrag unterstützt.

Ein Sonderfall, in dem der Kontokorrentkredit trotz hoher Zinsen Geld spart, ist der Skontoabzug. Bietet ein Lieferant 2 Prozent Skonto bei Zahlung innerhalb von 10 Tagen statt nach 30 Tagen, zahlen Sie bei einer Rechnung über 5.000 Euro 100 Euro weniger. Finanzieren Sie die 20 Tage frühere Zahlung über den Rahmen, kostet das bei 11 Prozent 5.000 × 11 % × 20 / 360 = 30,56 Euro. Es bleibt ein Vorteil von 69,44 Euro. Rechnet man das Skonto auf ein Jahr hoch, entspricht der Verzicht darauf einem Jahreszins von rund 36 Prozent.

So beantragen Sie den Kreditrahmen: Unterlagen und Ablauf

Den Kontokorrentkredit beantragen Sie bei der Bank, die Ihr Geschäftskonto führt. Viele Direktbanken und Fintech-Konten für Selbstständige bieten keinen Rahmen oder nur sehr kleine Beträge an. Mit einer Filialbank oder Sparkasse, bei der Sie einen festen Ansprechpartner haben, sind die Chancen meist besser.

Diese Unterlagen sollten Sie zum Gespräch mitbringen:

die letzten zwei Jahresabschlüsse oder Einnahmenüberschussrechnungen, sofern vorhanden

eine aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertung mit Summen- und Saldenliste

Einkommensteuerbescheide der letzten beiden Jahre

eine Liquiditätsplanung für die nächsten zwölf Monate

bei Neugründung den Businessplan

Nachweise zu möglichen Sicherheiten, etwa Sparguthaben oder Lebensversicherungen

bei Kapitalgesellschaften Handelsregisterauszug und Gesellschaftsvertrag

Nach dem Gespräch prüft die Bank die Unterlagen und holt Auskünfte ein. Wie lange das dauert, hängt vom Institut und von der Vollständigkeit Ihrer Unterlagen ab. Kommt eine Zusage, erhalten Sie einen Kreditvertrag mit Rahmenhöhe, Zinssätzen und Sicherheiten. Danach wird der Rahmen auf dem Konto freigeschaltet.

Verhandeln lohnt sich. Fragen Sie gezielt nach dem Verzicht auf die Bereitstellungsprovision und nach einem niedrigeren Zins, wenn Sie Sicherheiten stellen. Holen Sie bei mindestens einer zweiten Bank ein Angebot ein, auch wenn Sie das Konto eigentlich nicht wechseln wollen. Ein Vergleichsangebot verbessert Ihre Position im Gespräch mit der Hausbank.

Ablehnung, Kündigung und typische Fehler

Lehnt die Bank ab, liegt das meist an fehlenden Geschäftszahlen, negativen Schufa-Einträgen oder einer Branche, die das Institut als riskant einstuft. Fragen Sie nach dem konkreten Grund. Oft hilft es, nach dem nächsten Jahresabschluss erneut anzufragen oder es mit einer Bürgschaft bei einer anderen Bank zu versuchen. Bei sehr kleinem Bedarf kann auch eine private Rücklage die bessere Lösung sein, weil sie keine Zinsen kostet.

Eine Kündigung oder Kürzung des Rahmens trifft Selbstständige oft unvorbereitet. Anlass sind häufig sinkende Umsätze, eine dauerhafte Überschreitung oder Unterlagen, die trotz Anforderung nicht eingereicht wurden. Banken verlangen in der Regel, dass Sie ihnen regelmäßig aktuelle Zahlen vorlegen. Ignorieren Sie diese Aufforderung nicht, denn fehlende Unterlagen sind ein verbreiteter Anlass für eine Neubewertung des Kredits.

Die häufigsten Fehler im Umgang mit dem Kontokorrentkredit:

1.Das Konto steht dauerhaft im Minus, obwohl ein Betriebsmittelkredit deutlich günstiger wäre.

2.Der Rahmen wird regelmäßig überschritten, sodass der höhere Überziehungszins anfällt.

3.Rücklagen für Umsatzsteuer und Einkommensteuer werden nicht gebildet, und die Zahlung ans Finanzamt läuft komplett über den Kredit.

4.Gründer beantragen den Rahmen erst, wenn der Engpass bereits da ist. Dann fehlt der Bank oft die Zeit für eine Prüfung, und die Verhandlungsposition ist schwach.

Gerade der dritte Punkt ist gefährlich. Steuervorauszahlungen und Nachzahlungen sind vorhersehbar. Wer sie über den Kreditrahmen finanziert, zahlt Zinsen für eine Ausgabe, die mit einer separaten Rücklage kostenlos gedeckt wäre.

Häufige Fragen zum Kontokorrentkredit

Ist ein Kontokorrentkredit dasselbe wie ein Dispokredit?

Technisch funktionieren beide gleich: ein Rahmen auf einem laufenden Konto. Der Begriff Dispositionskredit wird meist für Privatkonten von Verbrauchern verwendet, für die zusätzliche gesetzliche Schutzregeln gelten. Beim Geschäftskonto spricht man vom Kontokorrentkredit, und die Konditionen werden individueller verhandelt.

Muss ich den Kontokorrentkredit tilgen?

Eine feste Tilgung gibt es nicht. Jeder Zahlungseingang auf dem Konto senkt den in Anspruch genommenen Betrag automatisch. Banken erwarten allerdings, dass das Konto regelmäßig wieder ins Plus kommt, und werten eine dauerhafte Vollauslastung als Warnsignal.

Kann ich den Kontokorrentkredit als Nebenerwerbsgründer bekommen?

Möglich ist es, die Bank bewertet aber zusätzlich Ihr Einkommen aus der Hauptbeschäftigung. Bei kleinem Geschäftsvolumen sehen viele Institute keinen Bedarf für einen Rahmen. In diesem Fall ist eine eigene Liquiditätsreserve oft die einfachere Lösung.

Werden die Zinsen für den Kontokorrentkredit steuerlich berücksichtigt?

Ja, sofern das Konto betrieblich genutzt wird, zählen die Zinsen zu den Betriebsausgaben. Läuft über das Konto auch Privates, etwa Entnahmen, die das Minus vergrößern, kann ein Teil der Zinsen nicht abzugsfähig sein. Wie sich das in Ihrem Fall aufteilt, klärt eine Steuerberaterin anhand Ihrer Buchhaltung.

Wie hoch sollte mein Kreditrahmen sein?

Orientieren Sie sich an Ihrer Liquiditätsplanung: Der Rahmen sollte den größten erwarteten Engpass innerhalb eines Jahres abdecken, mit etwas Puffer. Ein größerer Rahmen kostet nur dann zusätzlich, wenn die Bank eine Bereitstellungsprovision auf den ungenutzten Teil verlangt.